Musikalische Vorbilder

Ich lese gerade, unter anderem, eine Künstlerbiographie (oder wie man das nennt) und da die Hauptfigur des Buches nicht nur im Sprechtheater auf der Bühne stand, hat mich das veranlasst mal über meine musikalischen Vorbilder nachzudenken.

Ich mache ja gerne Musik, und obwohl ich auch tatsächlich Instrumente spiele, ist mein Haupt- und Lieblingsinstrument meine Stimme. Bei uns zuhause wurde immer viel und wird auch noch gerne gesungen.  Aufgewachsen bin ich zwischen klassischer Musik, Liedermachern, Jazz, und relativ wenig Rock und Pop Musik (vor allem der 60er und 70er), aber ich glaube, den größten Einfluss auf meinen Gesang hatten vor allen Dingen 3 Frauen und 1 Mann (und eine, nennen wir es mal lose, Musikrichtung). Allen gemein ist, so scheint mir, dass ihre Stimmen interessant sind und das die Musik, die sie machen (die reinen Melodien), stark und schön ist (und mehrfach kompliziert):

1.   Zarah Leander, auf Schallplatte alle großen Hits und in mehrern Sprachen; sowohl die Musik, die sie machte, als auch ihre Stimme habe ich  ohne Ende geliebt und hätte ich noch viel mehr hören können (aber da musste ich auf meinen eigenen Plattenspieler warten – ja, Vinyl, ich besitze erst einen CD-Player seitdem ich 20 bin, wir waren ein altmodischer Haushalt). Eine faszinierende Stimme und eine faszinierende Frau.

2.  Joan Baez, ebenfalls ursprünglich auf Schallplatte und vielen in Deutschland vor allem durch ihre kurze Beziehung zu Bob Dylan bekannt, eine Vetreterin der Folkmusic (im Gegensatz zu vielen anderen der Zeit singt sie übrigens nicht nur schon vorhandene Songs, sondern schrieb und schreibt auch selbst)  und Protestmusik der 60er und 70er. Die Diskussion, dass Folkmusic nicht Volksmusik ist, haben ja meine Eltern schon mehr oder weniger erfolgreich geführt. Ich mag ihre Stimme, ich mag ihre Liedauswahl, und ich mag ihre Texte. Außerdem singts sie Dylan’s Texte so, dass man tatsächlich den Text verstehen kann 😉

3.  Ernst Busch, wie schon zu erwarten ursprünglich ebenfalls auf Schallplatten, seine Platte Spanien 1936-1939 lief häufig bei uns, und seine Art zu singen und auch seine Lieder waren sehr eindrücklich.  (Ja, ich bin mit einer Menge Arbeiterliedern und linkem Liedgut aufgewachsenm, nicht nur von Busch, und manche Liedermacher – wie Franz Joseph Degenhardt habe ich erst später entdeckt.) Manches ist natürlich sehr zeitgeistig oder zu programmatisch, aber vieles hat auch heute noch seine, nicht nur historische, Berechtigung, und verflixt nochmal die Musik ist z.T einfach großartig.

4.  Lotte Lenya, deren Biographie ich gerade lese, die Lieder (vor allem vom Duo) Brecht/Weill. Keine bellcanto Stimme, kein „schöner“ Gesang im Sinne der modernen Andrew Lloyd Webber – Musicalliebhaber, dafür unglaublich ausdrucksstark, ihre Stimme kann in Nuancen Bände sprechen. So muss für mich Gesang sein, der Geschichten erzählen will.

5.  osteuropäische/jüdische Volksmusik, da kommt meine Liebe für dramatische, schwere Musik her. Die Emotion die da drin steckt, und die ich manchmal in die Lieder stecke, die ich singe, kommt für meinen Teil nicht aus der Operntradition (die auch schön ist, aber in ihrer Aus- und Aufführung häufig erstaunlich blutleer), sondern hierher, dem Klezmer, den russischen Weisen, den traurigen, herzzerreissenden Liebesliedern. Hach!

Ich muss mehr singen.

So long.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s