Körperlichkeit

Da ich in letzter Zeit mal wieder über allerlei Blog- und sonstige Texte zum Thema (weibliche) Körperformen gestolpert bin, die sich vor allem mit persönlichen Frusterfahrungen und den Auswirkungen offener oder versteckter Diskriminierung aufgrund des Aussehens beschäftigt haben, dachte ich mir, ich äußere mich auch mal dazu.

Ich bin ja nun eher klein (wie der Blog-Name vermuten lässt) und war auch schon immer mehr auf der Zwergenseite des Lebens angesiedelt, aber hey, der Rest meiner direkten Familie ist auch nicht gerade von Gigantismus befallen. Außerdem war ich ein furcht- und wunderbar altkluges und offenbar recht niedliches Kind (wenn man den Erzählungen glauben darf). Ich bin „auf die Hüfte geschlagen“ geboren und habe die damit verbundenen Einschränkungen nie weiter hinterfragt. Ich habe eine große Nase. Ich kannte es ja auch nicht anders. Mein Körper war so, wie er war und gut ist. Diese Einstellung änderte sich auch nicht weiter, als sich mit den üblichen Veränderungen des Hormonhaushalts, Hüften, Hintern und Brüste ausformten. Ich habe nie verstanden, was oder worüber meine Klassenkameradinnen da eigentlich klagten und warum sie plötzlich ihre Nasen zu krumm und ihren Bauch zu dick fanden. Bevor ich mich mit so Dingen wie hormonellen Verhütungsmitteln auseinandergesetzt habe und bis Anfang 20 ganz fertig gerundet war, war ich eine kleine Frau mit Stöckchen- Armen und Beinen, einer relativ kleinen Kleidergröße und Busen und Hüften und Hintern.

Mittlerweile bin ich zu einer erwachsenen und ausgewachsenen Frau abgerundet. Vom „Stickgirl with tits and hips and arse“ bin ich zu einem Hobbit erwachsen. Und das hat weder mir noch meinem Selbstwertgefühl irgendeinen Abbruch getan. Mir ist vor ein paar Jahren beim Klamotten kaufen aufgefallen, dass es a) Kleidergrößen zu kaufen gibt für die Altersklasse ab so etwa 13, die es vor 20 Jahren so nicht in Erwachsenenkleiderläden gab und die damals noch mit entsprechend anderen Bezeichnungen als Kindergrößen liefen (und in die, zumindest meinen Beobachtungen nach, auch kaum Leute über 15 reinpassen und auch beileibe nicht alle unter 15) und b) Hosen und Pullover, die ich vor 10 Jahren als Größe 42  gekauft habe heute mindestens als ein bis zwei Kleidergrößen größer ausgezeichnet sind. Während also gleichzeitig immer stärker ein total verquer dünnes Bild in den Medien verkauft wird, geben wir gleichzeitig unseren Konsumentinnen (ich weiss nicht so genau, wie es bei Männergrößen aussieht, da vergleiche ich noch nicht so lange) das Gefühl sie seien total breit oder zumindest breiter als früher, obwohl es gar nicht stimmt. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

Ich hatte es allerdings insofern einfacher, als manche andere, als dass ich zum einen mir nie viel Gedanken über mein Aussehen gemacht habe, ich aber auch zum anderen eben eher klein und niedlich war (als Kind) und deswegen weniger seltsame Kommentare in Bezug auf meinen Körper von außen erfahren musste (im Gegensatz zu meiner Schwester, die schon im Kindergarten mit komischen Leuten konfrontiert war und auch als Kind schon mehr auf den Rippen hatte als ich). Mein Bruderherz war übrigens jahrelang total unglücklich, dass er gegessen hat wie ein Ochse und man trotzdem alle seine Rippen zählen konnte.

Ich bin ein Hobbit und bin es gerne! Ich mag meinen Körper (also fast immer)! Und ich weiss, dass wer sich wohl fühlt, wunderschön ist, während man es demjenigen, der sich nicht wohlfühlt (auch mit dem Medien suggerierten vornehmlich perfekten Körper), ansieht, dass er unzufrieden ist.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Körperlichkeit

  1. Da gäbe es noch so viel dazu zu sagen. Erst mal: Glückwunsch, dass Du mit Deinem Körper zufrieden bist! Ich bin es übrigens auch und finde es ganz nebenbei furchtbar, wenn sich Menschen so stark über das äußerliche Aussehen ihres Körpers identifizieren, dass sie glauben, nach zB einer Schönheits-OP glücklicher zu sein und es tatsächlich sind.

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