Norwegen.

Die Berichterstattung direkt nach den Anschlägen in Norwegen zeigt doch mal wieder sehr schön, auf was „unsere“ Angst- und Beissreflexe in den letzten Jahren gepolt sind. Othering funktioniert ja auch zu gut. Erst war es jahrelang der böse Osten oder wahlweise der böse Kommunismus, jetzt sind es die bösen muslimischen Terroristen. Dabei bin ich mir sicher, dass das Gros der Schießereien und Anschläge in der sogenannten westlichen Welt in den letzten Jahren von lokalen Tätern aufgrund lokaler Beschwerden verübt worden ist. Aber der Feind ist Muslim, spricht eine seltsame Sprache, hat einen gewaltbereiten, total überholten Glauben (der wenn nicht Schuld, so doch maßgeblich beteiligt ist) und ist überhaupt ein unzivilisierter Wilder. Ich glaube echt, ich spinne – oder die anderen spinnen. 

Othering wird übrigens auch betrieben, wenn sich wider Erwarten heraustellt, dass der „Täter“ nicht dem Klische entspricht; dann wird nach Eigenschaften gesucht, die ihn möglichts klar von „uns“ abhebt. Übliche Unterscheidungsmerkmale sind (nicht in Reihenfolge der Häufigkeit): eine angenommene oder tatsächlich diagnostizierte mentale Krankheit, irgendeine Form von Frömmigkeit/Gläubigkeit (je extremer oder exotischer desto besser), angenommene oder tatsächliche Abweichung von Heteronormativität, als pervers empfundene Sexualpraktiken (das können strafrechtlich relevante sein, wie Pädosexualität, das kann aber auch privat gelebter und für gewöhnlich harmlose Formen wie BDSM sein), Anhägertum einer Ideologie (in Deutschland und den USA meist rechts gerichtet, häufig rechtsextrem oder Neonazitum), wahlweise auch irgendeine körperliche Krankheit, wenn sich sonst nichts findet. Bloß nicht den Gedanken zulassen, der Täter wäre so wie „wir“, der Täter könnte mein Nachbar sein, denn dann wird die Welt plötzlich noch viel unsicherer.

Echt Leute, bei solcher Berichterstattung wir mir manchmal nur noch schlecht.

 

 

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Norwegen.

  1. Mal so rein philosophisch gesprochen, steckt in jedem Menschen eine Mutter Teresa und ein Albert Schweitzer (na ja, von der überragenden Intelligenz mal abgesehen… *scnr*), aber auch ein Mengele und eine Meinhof.
    Bloß, wenn man das zugibt, muß man sich den Abgründen der eigenen Seele stellen.

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