Genderdiskurs – zwei Anmerkungen

Antje Schrupp hat einen, wie ich finde, sehr schlauen und sehr passenden Artikel zum Genderdiskurs geschrieben.  Und dazu will ich nur zwei Anmerkungen machen.

Zum ersten wird der Beitrag zweifelsohne wieder einmal zu einer Diskussion über (wissenschaftliche) Objektivität und Subjektivität führen. Als Student der Geisteswissenschaften (und hier vor allem der Literatur, Kultur und Geschichte) weiss ich, dass Wissenschaft den Anspruch  hat objektiv zu sein, aber der Wissenschaftler als Subjekt natürlich nicht vollständig objektiv sein kann – und man muss sich auch die Frage stellen, ob das immer so wünschenswert wäre. Ich möchte sogar behaupten, dass selbst in den Naturwissenschaften, die im Englischen nicht umsosnt als hard sciences bezeichnet werden, spielt mindestens bei der Neugier und der Fragestellung, mit der man sich seinem Forschungsgegenstand näher, vor allem das Subkjekt Forscher eine Rolle. Und zumeist können wir auch da nur das erforschen und das erfragen, was wir uns zumindest mit einem kleinen Teil unseres Gehirns vorstellen können. Natürlich sind unterschiedliche Bereiche unterschiedlich stark dadurch geprägt, wie wissenschaftlich subjektiv das Forschungsumfeld bzw. die Forschungsgeschichte im Fach ist. Nicht umsonst müssen sich vornehmlich weiche und unexakte Fächer wie.z.B. die Soziologie, aber auch die Literaturtwissenschaft immer wieder für ihre Subjektivität anderen Fächern gegenüber entschuldigen und werden von manchen nicht für voll genommen. Aber ich lasse mir doch nicht erntshaft von so Hokuspokus-Fächern wie Wirtschaftswissenschaften was über den Sinn und Unsinn und Wissenschaftlichkeit  meines Faches erzählen. Und die einzigen Fächer, die ich kenne, die mit einem Wahrheitsanspruch operieren sind Mathematik und die Theologien.

Dann ist da noch die Frage der Perspektive. Antje Schrupp schreibt in einem ihrer Kommentare zum Artikel:  Und ich bin dahin gekommen, zu sagen, dass es zwischen „Mir als Frau“ und „Mir als ich“ keinerlei unterschied gibt, weil „Ich bin eine Frau“  Und da hat sie recht. Und Andreas fragt ebendort:  (…) wie denn eigentlich, wenn Frau über das Frau-sein am besten Bescheid weiss, und natürlich auch Mann über das Mann-sein am besten Bescheid weiss, eine halbwegs sinnige Diskussion über die „sexuelle Differenz“ aussehen soll ?  Ich finde, dass ist zu kurz gedacht. Denn wenn man erst einmal festgestellt hat, dass es offensichtlich (mindestens) zwei Perspektiven gibt – wenn ich mich hier mal auf die Dualität Mann/Frau beschränke – heisst das doch im Folgenden, dass man sich miteinander austauschen kann, Neues und Anderes entdecken, seinen eigenen Standpunkt und seine eigenen Annahmen hinterfragen und möglicherweise zumindest in Teilen einen Perspektivwechsel vollziehen kann. Will sagen, es reicht natürlich nicht nur seine eigenen Standpunkt wahrzunehmen, aber es ist ein guter erster Schritt zu sagen: „Das bin ich, hier bin ich, so sehe ich die Welt“  Und dann reflektiert in den Dialog einzusteigen.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Genderdiskurs – zwei Anmerkungen

  1. Genau da am Ende hakt’s aber, weil es menschelt: weil jede Seite der anderen bewußt oder unbewußt ihre Ansicht überstülpen will. Ob das nun so kraß geschieht wie in der Emma, oder viel subtiler, sei dahingestellt. Aber die Ansicht des anderen als anders und deshalb trotzdem nicht zwingend falsch nicht nur stehenzulassen, sondern anzunehmen, erfordert nahezu übermenschliche Selbstverleugnung… oder sowas in der Art.

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