„Des Schweines Ende ist der Wurst Anfang.“ Wilhelm Busch

In Anbetracht der Buchveröffentlichungen von Karen Duve und Jonathan Safran Foer und mit Zuhilfenahme des neuerlichen Dioxinfundes in Eiern, spricht und schreibt alle Welt über Essen. Und offensichtlich schint das die neue Ideologie (oder sollte man gar sagen Religion) bestimmter Leute zu sein, zu postulieren was richtiges, sprich gutes Essen ist. Und dabei geht es nicht vornehmlich um die Qualität des Essens an sich, sondern um eine Art moralischer Güte. Man ist ein guter Mensch und lebt das richtige Leben, wenn man nur ordentlich nach den Regeln der postulierten Ideologie lebt. Dazu gehört natürlich auch eine gehörige Portion missionseifer und etwas Selbstkasteiung.

Man verstehe mich nicht falsch, ich finde es gut, wenn sich mehr Leute Gedanken darüber machen, was sie eigentlich essen und wo ihre Nahrungsmittel herkommen.  Ich habe aber den Eindruck, dass es mal wieder nur um einzelne Felder der Nahrungsmittelproduktion geht, nämlich Tierhaltung. Die Ausbeutung von Boden und Menschen in der Branche, die Vernichtung von Natur und Umwelt, von ökologischem Gleichgewicht, die Ökobilanz und vieles weitere steht nicht zur Debatte und wird auch weiterhin fröhlich ignoriert. Auch scheint es nicht um den gesundheitlichen Aspekt von Essen zu gehen, oder gar um Genuß. Einzig die moralisch richtige Entscheidung zählt.

Ich weiss gar nicht mal, warum mich das so irritiert. Ich weiss ja, dass ich in einem Land lebe, in dem die Einwohner aufs individuelle Haushaltseinkommen gerechnet möglichst wenig Geld für Essen ausgeben wollen und selbst die Leute möglichts billig kaufen, die es eigentlich nicht nötig hätten. Und wo meine Umgebung sich den teuersten und unnötigsten elektronischen Schnickschnack für ein Heidengeld kauft, um dann gleichzeitig komisch zu gucken, wenn ich stattdessen lieber Geld in Nahrungsmittel und Bücher investiere. Oder die jeden Tag wieder mit gekühlten kaffeehaltigen Getränken und Food to Go vom Supermarkt ankommen, aber die Tatsache, dass man jeden Tag kocht seltsam finden (und sich wundern, wenn man dann mal durchrechnet, was ihr Essen und Trinken sie kostet und was meines/unseres tut). Irgendwie läuft da doch gewaltig was schief.

Ich werde jetzt jedenfalls nicht anfangen Essen zu meiner neuen Ersatzreligion zu machen. Ich habe auch so genug moralische Integrität, um sie mir nicht aus einem Nebenkriegsschauplatz holen zu müssen, damit ich überhaupt welche beweisen kann.

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