Alle Jahre wieder

Die große weite Welt geht mit weiten Schritten mal wieder auf den Advent und damit auf die Weihnachsttage  zu.  Und seit dieser Woche ist in der Dom- und Universitätsstadt auch wieder Weihnachstmarkt, mit den unweigerlich dazu gehörenden Glühweinbuden und den besoffenen Marktbesuchern aus der stadt, dem Umland und dem westlichen Nachbarland. Und wie jedes Jahr, ist der Markt eigentlich mehrer Märkte und über die Stadt verteilt und ich kann ihm nicht aus dem Weg gehen.

Nicht, dass man mich mißversteht, ich mag ab und an die heimelige Stimmung auf den Märkten, aber ich würde mir schon gerne aussuchen, ob ich gezielt dahin gehe oder eben nicht. Und die Wahl habe ich nicht. Mindestens einmal am Tag, wenn ich zur Uni muss, komme ich an mindestens einem der Märkte vorbei und nachmittags/abends auch unweigerlich an Glühweintrunkenen Besuchern.

Aber darum geht es mir eigentlich gerade gar nicht. Mir ist nur mal wieder aufgefallen, dass man gerade zum Advent und zur Weihnachtszeit gut die Unterschiede zwischen Religion und Tradition (wobei ich mit Religion hier vor allem Glauben meine) beobachten kann. Die Domstadt ist, wie die Bezeichung vermuten lässt, zumindest offiziell, vorwiegend katholisch. Wobei meine Beobachtungen genau so gut auf das evangelische Christentum und diverse Strömungen des Islam zutreffen. Weihnachten ist für die meisten Menschen hier nämlich auch  nur noch vornehmlich Tradition und weniger Religion, auch wenn sich zumindest in der besserverdienenden Innenstadt sicherlich viele als religiös bezeichnen würden. Und bei mir draußen im „Ghetto“, wo ich wohne, halten sowohl die im Neudeutschen als „Prekariat“ bezeichneten, als auch die „Menschen mit Migrationshintergrund“ (oder wie auch immer der aktuellste politisch korrekte Euphemismus heisst) mehr an der Tradition von Opferfest und Nikolaus/Weihnachten fest, als das es in ihrem Glauben irgendeine Grundlage hätte. Es ist Geschenke, Konsum und bunte Lichter im Winter, sonst nichts. Seltsam wird es nur, wenn die gleichen Leute, die mit christlicher Religion und Glaubenspraxis eigentlich nichts mehr am Hut haben, und Weihnachten und Ostern nur als Traditions- und Konsumfeierlichkeit genießen (und andere, nicht so prominente Feiertage ignorieren), sich dann bei bestimmten Debatten bemüßigt fühlen, auf Deutschlands/Europas „christlich-jüdische“ Kultur und Grundlage zu verweisen. Denen geht es nämlich weder um Kultur (wie auch immer sie das definieren mögen, sprach die kleine Frau als Kultur- und Literaturwissenschaftlerin), sondern um Abgrenzung und den Erhalt ihrer Privilegien.

Die kleine Frau wird übrigens Weihnachten nicht mit ihrer Ursprungsfamilie (dem kleinen, dicken Pfarrer und der bissigen, kleinen Religionslehrerin, dem Physiker, der Psychologin und der Vancouveritin) verbringen, sondern mit der angeheiraten Mischpoche, die weitestgehend religiös unbeleckt sind. Und sie wird wieder ganz viele, kleine, nette  Rituale (sowohl aus der Tradition als auch aus mindestens einer ihrer Ursprungsreligionen) in den Weihnachstablauf einbauen und vielleicht „einschmuggeln“. Schon allein damit der Neffe rechtzeitig ein Gegenmodell zum bayrisch-konservativen Katholizismus seiner anderen Großeltern bekommt 😉

 

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